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500 Jahre Reformation

Im Zusammenhang mit der Kampagne "500 Jahre Reformation im Kanton Zürich" erscheinen zahlreiche Druckschriften von allgemeinem Interesse aber auch Beiträge der lokalen Kirchgemeinden.

Ein neues Faltblatt der reformierten Kirche des Kantons Zürich erklärt die Zürcher Reformation. Egal ob Laie oder Experte - das neue Faltblatt ist für jedermann verständlich. Lassen Sie sich durch die Reformationsstadt Zürich führen. Das Faltblatt hilft zur Orientierung.

500 Jahre Reformation im Kanton Zürich

Die «reformierte Gesellschaft»



In dieser Zeit wird wegen des Reformationsjubiläums viel über die Reformation gesprochen: die Rechtfertigungslehre, die Bedeutung der Schrift, den Wandel kirchlicher Ämter u.v.a.m. Als Sozialwissenschaftler möchte ich einmal auf die soziologischen Nachwirkungen und den Weg Europas in das moderne Zeitalter eingehen, die ebenfalls Folgen der Reformation sind. Der Westfälische Frieden von 1648 und das Ende der Religionskriege markieren eine neue Freiheit in der Gesellschaft, die sich aus dem Ende der Herrschaft des Katholizismus ergibt.
1648 ist auch die Geburtsstunde des modernen Nationalstaates, der die Aufgabe übernahm, das öffentliche Leben zu strukturieren, anstelle der katholischen Kirche. Gleichzeitig entstand eine neue Erklärungsmacht über die Welt und das Leben durch die moderne Wissenschaft, anstelle religiöser Weltbilder - Kopernikus, Galileo, Descartes und Newton waren ihre Vorreiter. Die aufkommende Moderne zeichnete sich durch neue Fragen aus; wer sind wir, in welcher Welt und Gesellschaft leben wir und wie gestalten wir unser Leben in dieser Welt und Gesellschaft. Das Aufkommen des Humanismus ist verzahnt mit der neuen Position, die der Mensch sich zuschreibt - er macht sich selbst zum Zentrum. Vom Menschen aus wird neu interpretiert, wie eine geeignete Welt und Gesellschaft aussehen muss, um dem Menschen gerecht zu werden.

Das Zeitalter der Aufklärung, Kant, und die Entdeckung der menschlichen Rationalität, die nun anstelle religiöser Leitbilder zur Wahrheitssuche eingesetzt wird wurde, gibt dem Denken und Reflektieren ein neues Gewicht. Das wissenschaftliche Denken strukturiert unseren Alltag. Wir messen Zeit, Temperatur, Produktionsmengen, Wachstumsraten, zählen Geld, setzen Wählerstimmen zueinander in Relation. Das Individuum und die Individualität werden wurden wichtig.

Ein Hauptpunkt der Moderne ist der Siegeszug des Dualismus, das Denken in zwei großen Kategorien: Gewinn und Verlust, Gut und Böse, Arm und Reich, Mann und Frau, Jung und Alt, Groß und Klein, Schwarz und Weiß, zivilisiert und wild, Leben und Tod, öffentlich und privat, ökologisch und unökologisch, religiös und areligiös, usw., verbunden mit einer gesellschaftlichen Bewertung und Hierarchie.

Das Denken in Dualismen und die gedankliche (Re-)Konstruktion der Welt anhand einer Zweiteilung vereinfacht das Weltbild und tritt an die Stelle komplexer religiöser Deutungen und Erklärungen, in der sich Bibeltexte in biografischen Erfahrungsräumen immer wieder neu aktualisieren und Sinn- und Verständnisfragen sich immer wieder neu stellen.

Zur Vorherrschaft des Dualismus passt das Lebensgefühl der Ambivalenz: Ich bin Lehrer und Tennisspieler auf hohem Wettkampfniveau und will beides miteinander vereinen. Ich bin Christ, aber sehe mich auch als Anhänger des Dalai Lama. Unsere Identitäten und Einstellungen sind wie ein Puzzle, hochkomplex und nicht selten ist die in unserer Zeit so häufige Frage, wie Entscheidungen zu treffen sind - privat, beruflich, auch im religiösen Leben - belastend.

Diese gesellschaftlichen Erscheinungen, ein Mehr an Freiheit, aber auch ein Mehr an Zwang zur Entscheidung, wissenschaftliche Weltbilder, das Denken in Gegensätzlichkeiten, sind Folgen der Reformation. So ist unser Leben tagtäglich durch die Reformation geprägt - sie hat sich von einer religiösen Bewegung in eine grosse Linie des gesellschaftlichen Wandels, der bis heute ungebrochen anhält und sich fortsetzt, entwickelt.

Die Gefahr, die sich mit dieser Entwicklung verbindet, liegt auf der Hand. Wenn der Mensch das Zentrum der Welt ist, besteht die Gefahr, dass er sich selbst zum Massstab macht und beginnt, anhand einfacher, moderner Dualismen Werturteile über andere zu fällen. Dies haben die Reformatoren damals sicher nicht im Sinn gehabt! So ist es an der Zeit zu hinterfragen, wie wir uns nicht nur theologisch, sondern auch gesellschaftlich zu den Reformationsfolgen stellen und wie wir die gesellschaftlichen Fragen für uns beantworten wollen. Auch das ist wieder beides, Freiraum und Pflicht. Denn auf eine Instanz, die uns diese Aufgabe abnimmt, können wir uns auch hier nicht mehr berufen!

Auch das ist wieder beides, Freiraum und Pflicht.

Denn auf eine Instanz, die uns diese Aufgabe abnimmt, können wir uns auch hier nicht mehr berufen!

Jugendarbeiter Severin Frenzel

 
Soziologische Nachwirkungen und der Weg Europas in das moderne Zeitalter als Folge der Reformation. Ein beachtesnswerter Aufsatz von Severin Frenzel.
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Ein Programm, das Schülern der 5. - 9. Klasse den Schlaf raubt! Schüler solidarisieren sich mit Kindern in den Slums von Lima.
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Die Ausgabe Nr. 19 unserer Gemeindeseite vom 13. Oktober 2017 ist als pdf-Datei abrufbar.
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Nächste Anlässe:
Gottesdienst mit Pfarrerin Ute Monika Schelb, Fehraltorf; anschl. Chilekafi
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Maennerforum - Maenner diskutieren Lebensfragen
Am 24.10.2017 um 20:00 Uhr
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Bibel lesen im Mühlegg mit Pfarrer Adolf Lemke
Am 24.10.2017 um 09:30 Uhr
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"No Limits" Unti 1./2. Oberstufe
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Schlössli-Gottesdienst mit Pfarrerin Dorothee Lemke
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Offener Monatsschluss für Nachteulen
Am 31.10.2017 um 22:00 Uhr
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